Neulich habe ich mal wieder eine meiner liebsten Playlists gehört und hatte bei einem der Lieder sofort ein wunderbares junges Mädchen vor Augen. Ich dankte im Stillen dem Mann mit Hut, Sonnenbrille und Eierlikör für den Impuls, denn nun wusste ich, was für ein Symbol ich ihr zur Konfirmation schenken könnte. 

Einfach loslaufen oder losfahren im Vertrauen darauf, dass ich schon irgendwann irgendwo ankomme, das ist nicht so mein Ding. Ich hab’s im letzten Herbst versucht, es war herausfordernd und spannend, ja. Aber ein bisschen Orientierung, ein ungefähres Ziel, eine Ahnung, wohin es gehen könnte, das brauche ich schon. Zum Glück habe ich Landkarten im Kopf, kenne mich im Atlas und auf dem Globus aus. Und wenn ich Zeit und Muße habe, klappt das auch ganz prima. Anders ist es, wenn ich im Auto mitfahre – da bin ich als Fußgängerin und überzeugte Nutzerin von Bahn und Bus durch die rasch wechselnden Perspektiven oft verloren. Und wenn ich dann auch noch auf dem Navi sehe, dass die angezeigte Richtung so gar nicht mit meinem inneren Kompass überein stimmt, dann klinke ich mich aus. Lehne mich zurück, schaue aus dem Fenster und hoffe darauf, dass entweder die Technik oder der Mensch neben mir weiß, wo es lang geht. Was beides auch nicht immer so gut funktioniert… 

Jetzt könnte ich natürlich weit ausholen – und nicht nur von Südfrankreich, dem wilden Osten oder der Suche nach einem wirklich gut ausgeschilderten Hofcafé ganz in der Nähe erzählen. Nein, auch Geschichten, in denen ich mich auf meinen eigenen Weg gemacht habe, dabei aber immer einen Fixpunkt hatte, fallen mir plötzlich ein. Geschichten von einem Zuhause, einem Dach über dem Kopf, von Menschen, die auf mich gewartet haben. Aber auch das wären wieder Geschichten in der Geschichte… 

Seit einer ganzen Weile weiß ich jedoch nicht mehr so recht, wo dieser Fixpunkt ist. Ich wandere zwischen den Welten (die in Wirklichkeit nur Bundesländer sind), bin auf der Suche. Darum und weil ich ja auch schon ziemlich lange im Leben unterwegs bin, weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn der Wind scheinbar aus allen Richtungen weht. Wenn die Kompassnadel flattert. Wenn man nicht einmal mehr nach den Sternen navigieren kann, weil überall dunkle Wolken hängen. Wenn kein sicherer Hafen mehr Schutz bietet. 

Da tut es gut, Menschen zu haben, bei denen man vor Anker gehen kann. Bei denen ich den Kopf anlehnen, Rat einholen, Trost bekommen kann. Oder die Kaffee, einen Spaziergang, einen unbeschwerten Abend, einen Lachanfall mit mir teilen. Oder alles gleichzeitig. Die nicht lange fragen oder diskutieren. Die zuhören, auch gerne mal laut kritisieren oder schweigend mit den Augen rollen. Die aber einfach da sind, wenn ich den Mut habe, um Hilfe zu bitten. Die meinen inneren Kompass wieder kalibrieren und mein Herz daran erinnern, wo es eigentlich hinwollte. 

In diesem Sinne wünsche ich nicht nur allen jungen Menschen, sondern uns allen einen symbolischen Kompass auf der Reise durchs Leben – egal, wohin der Wind uns weht.