Sechzig Jahre


Heute vor 60 Jahren, am 21. Dezember 1945, habt ihr euch hier in Hamburg im Standesamt das Jawort gegeben – wie mutig war das in einer Zeit, die die meisten der heute hier anwesenden Gäste nur aus Erzählungen kennen! 

Ein halbes Jahr nach Ende des Krieges, die Stadt lag in Schutt und Asche, habt ihr beschlossen, den Weg durchs Leben gemeinsam zu gehen.
Heute ist Hamburg eine funkelnde und glänzende Stadt – und auch aus euch ist etwas Funkelndes und Glänzendes geworden: Ein „Diamantenes Ehepaar“!

Das Wort Diamant kommt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Der Unbezwingbare“. 
Er ist das härteste, natürlich vorkommende Mineral auf unserer Erde. Und doch, bei allem Respekt -  zwei Dinge können ihm gefährlich werden.

Da ist zuerst einmal das Feuer: Ein Diamant verglüht bei ca. 800 °C und löst sich förmlich in Luft auf. Auch wenn eure Ehe mal kleine Schwelbrände aushalten musste, so richtig in Gefahr war euer Diamant wohl nie. Und wenn doch, so habt ihr vermutlich ein patentes Mittel gehabt, den Brand unter Kontrolle zu halten.



Die andere Gefahr für den Diamanten ist jedoch er selbst. Um aus einem Rohling einen funkelnden Edelstein zu machen, kann man vieles ausprobieren. Man kann es mit sanften Worten versuchen, mit Druck, mit harter Unnachgiebigkeit. Man kann versuchen, den Diamanten in Samt und Seide zu kleiden, damit er zumindest weich aussieht. Aber nichts davon verändert den Diamanten in seiner Form. Einzig – ein anderer Diamant.

Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt: 
„Man kann den einen Diamanten nur mit dem anderen schleifen.“

Schleifen, das klingt im ersten Moment nicht so schön. Wer möchte schon geschliffen werden? Etwa durch hartes Aneinanderreiben, mit grobem Werkzeug und mit viel Lärm? Beim Diamantschliff ist das aber ganz anders. Ganz langsam, Schritt für Schritt, werden von außen nach innen die Facetten geschliffen. Ein Winkel nach dem anderen wird sorgfältig herausgearbeitet, um das Leuchten des Inneren hervorzubringen. Das dauert – und auch heute noch braucht es in der Diamantschleiferei vornehmlich Zeit, Geduld und Fingerspitzengefühl.

Ihr habt das gewusst.
Ihr habt gewusst, worauf ihr achten müsst.
Ihr habt gemerkt, wann es an der Zeit ist, auch mal eine Arbeitspause zu machen.
Eine Pause, um zu sehen, was mit dem anderen ist.



Ich habe euch einen Diamanten mitgebracht. In euer Stubenfenster gehängt wird er nicht nur Licht und Farbe, sondern auch durch sein Funkeln und Glänzen die Erinnerung an sechzig Jahre liebevolles Miteinander bringen.

Den Originaltext habe ich im Dezember 2006 geschrieben
 Für H - immer im Herzen - und natürlich auch für M&K